Zurück

Diese Frauen denken Österreichs Hotels neu

Gut geerdet – die Pferdeflüsterin und Hotelchefin Nadine Eder

Nach einer Naturkatastrophe sattelten die Großeltern von Nadine Eder um. Die Bergbauern wanderten talwärts, gründeten dort ein kleine Pension und betrieben auch das erste Kaffeehaus im Zillertal. Aus der kleinen Pension wurde das Romantik Hotel Alpenblick und seit 2017 sitzt hier Nadine Eder fest im Sattel. Gemeinsam mit ihrer Lebenspartner*in Rivka bietet sie ihren Gästen, was ihr selbst am besten tut: eine familiäre Atmosphäre, Natürlichkeit, Erdung und Harmonie. In Nadines Brust schlagen nämlich zwei Herzen. Eines für ihre Gäste und eines für ihre Pferde. Sie ist in klassisch barocker Reitkunst ausgebildet und seit etwas mehr als einem Jahr auch Besitzer*in eines eigenen Gestüts. Wo sie – auch für ihre Hotelgäste – pferdegestütztes Coaching anbietet.

 Was ich von meinen Pferden gelernt habe und in mein Leben übertrage – Losgelassenheit (ein Begriff aus der Skala der Ausbildung in der Reiterei) und Harmonie sind die Basis für alles.

Du bist gemeinsam mit deiner Lebenspartner*in Rivka Gastgeber*in. Wie habt ihr euch kennengelernt, wie teilt ihr euch eure Aufgaben auf? Was verbindet euch?

Wir kennen uns eigentlich schon von Kindheit an. Sie hat auch halb-österreichische Wurzeln und kam mit ihrer Mutter jährlich zu unserem Nachbarn auf Besuch.

Als gelernte Fotografin macht Rivka alle Fotos und Videos für unsere Werbung und Homepage. Ihre Kreativität, Ihr besonderer Geschmack und Liebe zum Detail macht unser Haus zu dem, was es ist. Sie hat relativ schnell die Dekoaufgaben von meiner Mutter übernommen, und inzwischen sieht und fühlt man im ganzen Haus ihr Gespür für Schönheit und Gemütlichkeit.

Meine Aufgabe umfasst alles Organisatorische, die üblichen administrativen Alltagsdinge, Ich würde mal sagen, ich bin einfach überall.

Wir ergänzen uns enorm und können unheimlich gut miteinander arbeiten. Wir sind beide handwerklich begabt, und der eine oder andere wäre erstaunt, was wir im Hotel und Pferdestall alles selbst gemacht haben.

Wir sind kreative Köpfe und haben viele ähnliche Ideen und Vorstellungen. Wenn wir uns etwas in den Kopf gesetzt haben, gibt es beinahe kein Hindernis.

Du bist in klassisch barocker Reitkunst ausgebildet, das ist ziemlich anspruchsvoll. Wo hast du gelernt und was davon überträgst du in dein Leben?

Ich habe die verschiedensten Ausbilder, unter anderem war ich, bis Corona in die Quere kam, immer wieder auf Kursen von Irene-Raab-Hinrichs. Ich versuche, mindestens einmal im Jahr nach Tarifa, den südlichsten Punkt Spaniens, zu reisen, um dort von Patrick van Orshoven zu lernen und bekomme wöchentlich Training von Alena Obleitner. Es gibt viele interessante Menschen, von denen ich lernen durfte, und ich hoffe, es kommen noch viele dazu.

Was ich von den Pferden gelernt habe und in mein Leben übertrage – Losgelassenheit (ein Begriff aus der Skala der Ausbildung in der Reiterei) und Harmonie sind die Basis für Alles.
Im weiteren Sinn bedeutet das, dass du immer du selbst sein musst, denn sonst kannst du Beides nicht herstellen und wirst auf die ganz lange Sicht nicht glücklich sein und auch deine Arbeit wird darunter leiden. Wichtig auch: die Bereitschaft immer selbstkritisch zu sein – also Verantwortung für eigene Handlungen zu übernehmen. Und! Es braucht nicht viel, um zufrieden zu sein.

 Du hast seit einem Jahr mit PureSouls ein eigenes Gestüt, eine eigene kleine Pferdefarm, wie kam es dazu? Ist das nicht allein schon ein ganzer Job? 

Es kam mir sozusagen zugeflogen. Ich war früher immer auf der Suche nach einem eigenen Stall. Solche Anlagen sind bei uns sehr schwer zur Pacht zu bekommen, da es nicht viele gibt. Eine gute Freundin aber hatte diesen schönen Ort, der nun unsere Heimat ist, über mehrere Jahre gepachtet und wollte ihre Pferde zu sich nach Hause holen. Sie gab mir als erstes bescheid und offen gesagt wollte ich es eigentlich nicht übernehmen, da das Hotel schon eine sehr große Aufgabe für uns ist. Im Endeffekt hat mich Rivka dann überredet, und so kam es zu unserer PureSouls Pferdefarm.

Es ist sehr viel Arbeit und eigentlich ein Job für sich, aber es ist auch eine Leidenschaft weswegen es mir nichts ausmacht, dass der Tag für mich dadurch schon um halb sechs in der Früh startet. Es erdet mich sehr, und das kommt dem Betrieb dann wieder zugute.

 Du bist auch Pferdecoachin. Inwiefern verbindest du das mit dem Hotelbetrieb?

Ich möchte etwas anbieten, das man nach dem Urlaub mitnimmt und das vielleicht hilft, etwas zurückzulassen, das man nicht mehr braucht. Wir leben in einer so schnelllebigen und sehr leistungsorientierten Welt. Viele Menschen scheinen ihre Zufriedenheit verloren zu haben, ebenso wie die Verbindung und vor allem auch die Liebe zu sich selbst.

 Von Pferden über sich selbst zu lernen – wie geht das?

Das alles kann man von den Pferden wieder lernen.

Pferde haben keine Erwartung an einen, außer dass man in seinem Körper steckt und einfach ist. Man mag es nicht glauben, aber das ist sehr wenig und sehr, sehr viel!

 Sie spiegeln dich zu 100 Prozent, ohne dabei kritisch zu sein und sie zwingen dich, in dich hineinzuhören. Dadurch, dass Pferde nicht wirklich mit Lauten kommunizieren, sondern mit minimalen Gesten, sind sie wahnsinnig gute Beobachter und haben ein außergewöhnliches kinästhetisches Vermögen. Deswegen erkennen sie unsere Regungen und Gefühle in Sekundenbruchteilen und reagieren darauf.  Das nutze ich, um Menschen zu helfen oder ihnen einfach nur einen anderen Weg zu sich selbst zu ermöglichen.

Wie inszenierst du Romantik für deine Gäste?

Mit einer einzigartigen Umgebung.

 Was gebt ihr euren Gästen mit auf den Heimweg?

Ich hoffe aufgeladene Batterien und ein klein wenig Natürlichkeit.

 Was hält dich persönlich jung?

Mein Alltag, die Kombination aus viel in der Natur und in Bewegung zu sein. Und ein Business, das gut läuft und mich ermutigt, immer motiviert und kreativ zu sein.

 Wenn du Gast in deinem eigenen Hotel wärst, was würdest du am liebsten tun/was wären deine Lieblingsplätze?

Schwierig! Im Moment der neue Teil unserer Terrasse, den wir noch gar nicht öffentlich geteilt haben. Das ist eine Überraschung für unsere Gäste.

 Ihr wohnt in eurem Hotel. Das Familiäre ergibt sich daraus automatisch?

Nein. Ein Haus ist nur ein Haus, wenn du keine Seelen darin hast, die ihm Leben einhauchen. Und das sind unsere Mitarbeiter*innen.

Was hat sich beim Urlaubsanspruch verändert?

Wir sind im Alltag überflutet von zu vielen Reizen. Ich denke, dass es heute wichtig ist, wieder den Weg zu sich selbst zu finden, einfach mal zu SEIN und deshalb auch kein schlechtes Gewissen zu haben.

 Welche Abenteuer habt ihr, Rivka und du, gemeinsam vor?

Die ergeben sich erst noch auf unserem Weg. Wir planen Abenteuer eigentlich nicht. Aber die Erfahrung hat gezeigt, dass noch viel Interessantes auf uns wartet.

 Eigene Urlaubsträume?

Wir sind eher Reisende als Urlaubende und sind, wenn es möglich ist, mit Hunden und Camper durch Europa unterwegs.

Pressebericht

Zurück